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Von „unterm Strich zähl´ ich“ zum neuen „Wir“. Schafft Corona mehr soziale Verbundenheit?

Termin

Datum:
3. Oktober
Zeit:
11:00 bis 15:00

Veranstaltungsort

Volksbühne am Rudolfplatz (Köln)

 

Unsere Gesellschaft weist tiefe Risse auf. Denn der einst hoch gelobte Neoliberalismus entpuppt sich immer mehr als unbarmherzig: Im nationalen und internationalen Wettbewerb blieben und bleiben zu viele Individuen auf der Strecke. Viele dieser Menschen wenden sich nun dem Rechtspopulismus zu, der ihnen scheinbar mehr verspricht als die liberale Erzählung von den Selbstverwirklichungsmöglichkeiten des Individuums. Dort wird ihnen jedoch ein neues, ausschließendes und menschenfeindliches „Wir“ angeboten.

Die Corona-Krise hat diese Entwicklungen noch spürbarer und aktueller gemacht. Daher müssen wir jetzt aktiv werden und die Debatte über unsere gesellschaftliche und ökonomische Zukunft wiederbeleben. Daher laden der Landtagsabgeordnete Jochen Ott (SPD) und das Heinz-Kühn-Bildungswerk Köln e.V. am 03.10.2020 herzlich ein. Die Veranstaltung wird moderiert von Jürgen Wiebicke.

 

Die Teilnahme ist kostenlos und offen für alle Interessierte. Um Anmeldung wird gebeten an kathrin.schroth@nulllandtag.nrw.de.

Die Hygieneauflagen für Veranstaltungen im Innenbereich werden eingehalten.

 

Inhalt und Ablauf der Veranstaltung

Die demokratische Gesellschaft bietet vielen Menschen keine positive Erzählung eines „Wir-Gefühls“ mehr an: die Individualisierung führte – neben vielen positiven Entwicklungen – dazu, dass sich der Einzelne als Mittelpunkt des Universums sieht.

Dr. Frank Vogelsang, Autor und Akademiedirektor, beleuchtet in seinem Einstiegsvortrag diese Individualisierung und das derzeitige gesellschaftliche Zusammenleben unter dem Aspekt einer neoliberalen Wirtschaftspolitik. Wie und in welcher Form könnte eine soziale Verbundenheit, wie er das „Wir-Gefühl“ in seinem Buch „Soziale Verbundenheit“ nennt, wiederzufinden sein? Durchlaufen die Gesellschaft nur kleine Risse, oder ist sie – wie der Psychologe Stephan Grünewald vermutet – durch tiefe Gräben gespalten? In seinem Vortrag beleuchtet er außerdem, inwiefern die Zerrissenheit durch die Corona-Krise verstärkt wurde. In unserer individualisierten Gesellschaft propagiert jede*r die alleinige Wahrheit über Themen für sich. Vor allem beim Klimaschutz wird hier in „Gut“ und „Böse“ eingeteilt, wie Kathrin Hartmann, Autorin von „Grüner wird´s nicht“, in ihrem Vortrag berichten wird. Für sie ist Klimaschutz eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, die nicht durch individuelle Entscheidungen beantwortet werden kann.

Im zweiten Teil der Veranstaltung diskutieren Kathrin Hartmann und die Präsidentin der IHK Köln, Dr. Nicole Grünewald, sowie der Autor von „Die falschen Freunde der einfachen Leute“, Robert Misik und der Antirassismusforscher Prof. Dr. Karim Fereidooni  über Fragen wie: Welche Schwachstellen des Neoliberalismus werden zurzeit deutlich? Und was muss sich in der Wirtschaft, in der Gesellschaft und in der Politik ändern, um ein neues „Wir“ aufbauen zu können? Jochen Ott fasst die Erkenntnisse der Vorträge und Diskussion in einem Resümee zusammen. Im Abschlussstatement gibt der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzender SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Rolf Mützenich einen Ausblick: Wird die grenzenlose Individualisierung weiter funktionieren oder ist jetzt Zeit für soziale Verbundenheit und ein neues „Wir-Gefühl“?

Einlass: 11:00 Uhr │ Beginn: 11:30 Uhr │ Ende: 15:00

Veranstaltungsort: Volksbühne am Rudolfplatz (Köln)

 

 

Empfehlungen zu Veröffentlichungen der Gäste:

Dr. Frank Vogelsang (2020): Soziale Verbundenheit: Das Ringen um Gemeinschaft und Solidarität in der Spätmoderne. Verlag Karl-Alber. Erhältlich über www.frank-vogelsang.de

Kathrin Hartmann (2020): Grüner wird´s nicht. Warum wir mit der ökologischen Krise völlig falsch umgehen. Blessing.

Stephan Grünewald,(2019): Wie tickt Deutschland? Psychologie einer aufgewühlten Gesellschaft. Kiepenheuer&Witsch.

Prof. Dr. Karim Fereidooni (2016): Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen im Schulwesen. Eine Studie zu Ungleichheitspraktiken im Berufskontext. Springer VS

Robert Misik (2019): Die falschen Freunde der einfachen Leute. Edition Suhrkamp.

Dr. Nicole Grünewald (2009): Keine Angst vor Politikmarken!: Evolution und Enttabuisierung eines gesellschaftlichen Phänomens. Nomos.

Jürgen Wiebicke (2017): Zehn Regeln für Demokratieretter. Kiwi-Verlag.

 

Graphikdesign: janzing-design